Sonntag, 4. Januar 2015

Akutkrankheiten in der Homöopathie, Impfungen, Antibiotika

Akute Krankheiten aus Sicht der Homöopathie – Antibiotika und Impfungen nicht verboten



Fortsetzung der Reihe über die Grundlagen der Homöopathie nach Hahnemann


Vorwort im Anhang


Der Arzt Samuel Hahnemann kannte zu seiner Zeit (1755 – 1843) keinerlei Bakterien oder Viren. Auch Gene waren ihm unbekannt. Man vermutetet zwar aus der Beobachtung, dass Krankheiten vom Kranken auf Gesunde übertragen werden können und kannte so den Begriff der Ansteckung, doch waren die Wege nur aus der Erfahrung abzuleiten, aber die „Krankmacher“ waren nicht bekannt und demnach auch nicht nachweisbar. Man kannte der Begriff der „Miasmen“, nicht näher definierte Ansteckungsstoffe.

Man handelte entsprechend, indem man Kranke, von denen Ansteckung ausgehen konnte, separierte bzw. sich die Gesunden von diesen gezielt fernhielten. Schon die Bibel kennt das, das (sich) Fernhalten von „Übertragung von Krankheiten“. Die „Aussetzigen“ (Lepra) sind so ein Beispiel der „Quarantäne“. Aber auch das sich Fernhalten der (unreinen) Frau während der Menstruation.

Hahnemann hat in seinem Grundlagenwerk zur homöopathischen Heilweise, dem „Organon der Heilkunst“ (Begonnen 1810 als „Organon der Heilkunde und über 6 Auflagen ergänzt und überarbeitet bis 1843), klare Unterscheidungen zwischen chronischen Krankheiten und akuten Krankheiten (typisch die Infektionen) getroffen. Die noch immer im Prinzip zutreffen, durch heutige Kenntnisse untermauert werden.

Zu den chronischen Krankheiten hat er darüber hinaus ein ganzes Buch geschrieben. Auch zur Bedeutung der Symptome im Zusammenhang mit seiner Vikariationstheorie. Dazu habe ich vorher schon ausgeführt.

Seine (zutreffenden) Beobachtungen ließen ihn unterscheiden:

  1. Echte chronischen Krankheiten: Hierbei ist die innere Regulation und die Anpassung an Einflüsse von außen vom Programmablauf her gestört (Lebenskraft nennt er diese/dieses). Mit Symptomen (Funktionszeichen, Strukturveränderungen) körperlich wie psychisch. Krankheiten durch Störung der Selbsterhaltungskräfte. „Selbstheilung“ unmöglich. - Die Psychologie wurde erst ab ca. 1880 zu einen eigenen (philosophischen) Wissenschaftsgebiet. Hahnemann spricht in diesem Zusammenhang von Geistes- und Gemütssymptomen, untrennbar mit körperlichen Funktionen verbunden. Er beschreibt darüber hinaus auch Krankheiten von Gemüt und Geist, die er als „Vikariationen“ körperlicher Störungen verstand.
  2. Unechte chronische Krankheiten: Das sind anhaltende Anpassungssymptome an fortbestehende oder ständig wieder auftretende Einflüsse von außen.So ständige Fehlernährung oder ständig kalte Wohnungen.Auch ständige „einseitig beanspruchende Einflüsse“ der Gesellschaft, in der der Betroffene lebt. Bis hin zu ideologischen Verhaltenszwängen. Sie sind deswegen unecht, weil sie nicht primär auf einer Störung (Verstimmung nennt er das) der Lebenskraft beruhen. Jedoch kann auf Dauer daraus ein solche manifestieren. Demnach müssen solche Umstände entfernt werden, und das reicht dann (nicht immer, siehe Manifestationen) oft bereits aus, um die Verstimmungen sich wieder über die Selbsterhaltungskräfte ausgleichen zu lassen. Da ja keine echte Krankheit bestand, hat auch keine „SelbstHEILUNG“ stattgefunden.
  3. Die Iatrogenen Krankheiten: Iater ist der Arzt. Es handelt sich um Störungen (auch anhaltend) der Inneren Regulation (Lebenskraft) infolge falscher Therapien. Hahnemann hat diese sicher auch deswegen so hervorgehoben, um zu unterstreichen, wie nötig es war (heute noch ist?), Krankheiten in anderen Zusammenhängen zu sehen und von daher zu behandeln. Ein wenig boshaft nennt er diese iatrogenen Krankheiten unheilbare.
  4. Akute Krankheiten: Diese sind Folge der (akuten) Einwirkung „krankmachender“ Einflüsse. Mit der Unterabteilung der im weiten Sinne mechanischen Einflüsse, wie das Messer im Bauch oder die Verbrennung, die mechanische Behandlung (Chirurgie) benötigen. Der Unterabteilung der toxikologischen Einflüsse: Vergiftungen, die entsprechende Entgiftung/Gegengifte verlangt. Der großen Unterabteilung der durch „Ansteckung“ verursachten „Krankheiten“. Zu letzteren nun Ausführungen:

Bei akuten Krankheiten liegt nicht für die Symptomentstehung eine primär gestörte innere Regulation vor. Sie sind in diesem Sinne nicht wirklich Krankheiten. Vielmehr treffen die „symptomenbewirkenden“ Einflüsse auf eine im Prinzip funktionierende/funktionstüchtige Selbsterhaltung. Als Antwort auf die „Angriffe“ von außen. Eine in der Selbstregulation vorgesehenen Reaktionsweise, Anpassung. Also keine Krankheit sondern eine für den Organismus gesunde Reaktion, die Schädigungen abwehren, beheben soll.

Zu Recht stellt Hahnemann fest, dass nicht jeder zu jeder Zeit darauf mit Symptomen reagieren muss, die man bemerkt und die den Betroffenen beeinträchtigen, sein Befinden stören. Er stellt fest, dass diese üblicherweise recht schnell sich entwickeln und in relativ kurzer Zeit entweder zur Gesundheit, gutem Befinden, zurückführen oder mit dem Tode enden. Auch die Möglichkeit, dass die akute „Krankheit“ bisher nicht erkannte „Verstimmungen der Lebenskraft“, Regulationsschwächen sichtbar machen und anhalten lassen können, hat er gesehen.

Interessant auch, dass er damals schon herausstellte, was Gründe dafür sein können, dass jemand von diesen Einflüssen „krank“ wird, mit sichtbaren, belastenden, Symptomen reagieren muss. Ich liste aus dem Organon (6. Auflage, § 73) auf:

  1. solche, die den einzelnen Menschen befallen wegen Schädlichkeiten, denen er ausgesetzt war und die „leichteres Spiel“ hatten, wegen vorbestehender Belastungen der Selbsterhaltungskräfte aus anderen Gründen. Bei:
    a .Ausschweifungen in Genüssen oder Entbehrungen, heftige physische Eindrücke, Erkältungen, Erhitzungen, Entbehrungen usw.
    b. psychischen Erregungen, Affekten usw.
  2. solche, die nur besonders dafür empfängliche Menschen ähnlich betreffen, sporadisch und nur wenige zur gleichen Zeit.
  3. Solche, die viele Menschen in gleicher Weise betreffen, epidemisch und viele in gleicher Zeit und über Kontakte (Menschenmassen) ansteckend sind.

Wir wissen, dass solche Faktoren oft mit unterschiedlichem Gewicht gemeinsam auftreten. Übertragen auf Infektionskrankheiten sehen wir heute, dass es einmal an der „allgemeinen körperlichen Schwäche“ liegen kann, dass Erreger mehr oder minder gut in den Organismus eindringen und in ihnen wie „kriegerische Okkupanten“ wirken können. Es kann daran liegen, wie gut der Einzelne mit seiner Selbstregulation auf solche Angriffe überhaupt vorbereitet ist. Wieweit er besonders gefährlich Angreifer bereits studiert hat und mit schnellen und einfachen Mittel ohne große Symptome die Angriffe abwehren kann (Immunität gehört dazu). Auch, ob er „genetisch“ oder infolge von Vorschädigungen besonders zum Opfer des besonderen Angreifers werden kann, die andere nicht krank machen. Aber auch, welche Angriffsfähigkeiten, Waffen und Taktiken die Erreger besitzen, die zunächst auch den Stärksten überrennen können und dann zur Überwindung heftige Gegenwehr-Symptome benötigen. Noch mal: Solche Symptome sind nicht krankhaft. Sie sind gesunde Antworten auf Angriffe von außen. Keine innere Störung.

Ihre heilkundliche Unterstützung setzt deswegen nicht dort an, wie bei chronischen Erkrankungen, wo einen RegulationsSTÖRUNG zu beheben ist. Ein von Grund auf gesunder Organismus, einen gut funktionierende Selbstregulation, Selbsterhaltung genügt meist aus, um die „Akute Krankheit“ zu überwinden.

Doch wo das scheinbar nichtausreicht, wo vielleicht auch durch die Heftigkeit der Abwehrreaktionen neue Schäden zu erwarten sein könnten (zu hohes Fieber, Austrocknung usw.) kann heilkundlich unterstützt werden. Mit Mitteln, die genau dort ansetzen wo die nun sichtbaren „Schwächen“ liegen, der an sich richtigen Reaktion.

Trinken und Nahrungszufuhr angepasst optimieren, erkennbare bestehende Schädlichkeiten wegnehmen (Hemmungen der Abwehr z.B., ggf. auch durch andere Therapien bedingt ), wenn man sie greifen kann, auf den Verlauf der Selbsterhaltungsreaktionen einwirken, wenn diese (vielleicht infolge Störungen der inneren Regulation) überschießen, unangemessen sind und so den Abwehrverlauf negativ beeinflussen können. Dazu kann auch das Fiebersenken, z.B. durch Wärmeentzug gehören, wenn man diesen nicht einsetzt, wenn der Organismus gerade Fieber zur Abwehr bilden will.

Das aber erfordert die Einschätzung des heilkundlichen Fachmannes (auch Frau). Der diese Abläufe versteht und „lesen“ kann.

Unterdrückung der Symptomentstehung (weil diese lästig sind, man die im Moment gerade nicht brauchen kann) und eine falsche Entlastung der selbsterhaltenden Abwehrmaßnahmen sind auf Dauer/bei Wiederholung kontraproduktiv. Der Organismus hat als Merkmal der Selbsterhaltungsfähigkeiten ein Lernprogramm, welches sich merkt, wie heftig oder mild eigene Anstrengungen zu Abwehr sein müssen, um einen Erfolg zu erzielen. Falsche Unterstützung von Außen führt zu erlernter Leistungsverminderung. So wie ein Sportler, der nicht mehr trainiert, Leistung verliert. In der Biologie gilt: nur was angemessen benutzt wird, wird (unverändert) erhalten.

So kann von der Homöopathie eine Impfung vom Grunde her nicht völlig abgelehnt werden. Die Impfung (abgesehen von der Diskussion über Schadstoffe darin) will ja helfen, dass der Organismus Angreifer kennen lernt und Vorbereitungen treffen kann, bei erneutem Auftreten sofort und damit mit im Grunde wenig Aufwand den Angriff zu verhindern oder abzuwehren.

Doch soll eben das nur erfolgen, wenn andere Mittel nicht genügen, vor allem die Selbsterhaltungskräfte nicht ausreichen, vielleicht „Verstimmungen“ der Selbsterhaltungskräfte (chronische Krankheiten) daraus resultieren können. Das ist aber oft nur der Fall (außer bei bestimmten höchstpathogenen Erregern), wenn bereits genetisch oder erworben entsprechende individuelle Schwächen vorliegen, die nicht anders auszugleichen sind. Unterernährung, Hygienemängel u.ä. Vermeidbare Gründe (vor allen in der sogenannten 3. Welt) müssen beseitigt werden und dürfen nicht durch Impfkampagnen oder besondere Medikamente „unwichtig“ und tolerierbar gemacht werden.

Es muss wirklich gute Gründe für Impfungen geben.

Auch Antibiotika und Chemotherapeutika zur Bekämpfung von Bakterien können sinnvoll sein. Aber nur da, wo tatsächlich die größtmögliche eigene Anstrengung des Organismus nicht ausreicht. Vielleicht auch wegen der besonderen „Waffen“ der Angreifer und der wahrscheinlich hinterlassenen Schäden (wenn eben die eigene Abwehr/Selbsterhaltung dagegen nicht reicht). Unnötige „Entlastung“ der eigenen Anstrengungen führt eben dazu, dass für die Zukunft falsch gelernt wird. Dann nur, wenn tatsächlich der Erreger bekannt ist und die Wirkung gegen diesen hochwahrscheinlich ist.

Und es nicht anders geht.

Auch das muss der Heilkundige aus seinem Wissen heraus beurteilen. Wissen um die Pharmakologie und Giftigkeit der eingesetzten Mittel. Es ist immer zu beachten, ob nicht das Mittel selbst akute (toxikologische iatrogene) Krankheiten machen kann, die schwerer wiegen können.

Schon Hahnemann bemängelte bei einigen, die bei ihm die neue Heilweise gelernt haben, dass diese dazu neigen, schnell anzunehmen, dass die homöopathischen – auch bei akuten Krankheiten – Heilweisen nicht reichen und wegen scheinbar ganz rasch eintretender Beschwerdefreiheit beim Patienten doch unterdrückende oder zu entlastende Mittel einsetzten.

Er sah dahinter eine gewissen Ruhmsucht, besonders erfolgreich erscheinen zu wollen. Mit dann aber zukunftig nachteiligen Folgen.

Nun leben wir heute in einer Zeit, in der man trotz akuter, ansteckender Krankheiten zur Arbeit gehen will, sein ansteckendes Kind in den Kindergarten oder die Schule schicken will. Weswegen man gerne zur Mitteln greift, die die lästigen aber vom Grunde her gesunden Abwehranstrengungen unterdrücken oder („schwächend“) entlasten. Und ins Bett, zur Ruhe kommen, um alle Kräfte für die Abwehr einzusetzen? Heute kaum denkbar. Ansteckungsunterbrechung durch selbst gewählte „Absonderung“? Kontakte meiden?


Aus dem unterschiedlichen Wesen von chronischen und akuten Krankheiten resultiert ein unterschiedlicher Therapieansatz. Individuell angepasst die homöopathische Arznei an die ganz eigene „verstimmte Lebenskraft“ bei den chronischen Krankheiten.

Bei akuten „Krankheiten“ bestimmt die, für die (vielen zur gleichen Zeit) Betroffenen gleiche auslösende Schädlichkeit, die bei den Betroffenen ähnlichen Abwehrsymptome. Anhand dieser wenigen Symptome zeigt sich die Zielrichtung, in die die Arznei wirken soll, um die Abwehranstrengungen, wenn nötig zu unterstützen. Sie muss nicht so umfassend wirken und auf so viele Symptome passend sein, wie die Arznei bei den individuell ausgeprägten chronischen Krankheiten. (Auch wenn da scheinbar manchmal eine einseitige Symptomatik zu bestehen scheint).

Bei Epidemien genügt, so Hahnemann und die Erfahrung bestätigt das, einige ähnlich verlaufende Fälle zu betrachten, um das Mittel zu finden, das auch bei weiteren Betroffenen passen kann. Da ja bei der Epidemie die gleiche Schädlichkeit auslösend war, ist die Antwort der Lebenskraft, die zu unterstützen sein kann, darauf ähnlich.

Auch bei der Wahl der Potenzen und der Dosierung ist die bei auf wenigen (quasi oberflächliche) Symptome aufbauende Arzneigabe unterschiedlich. Hier besteht eine Ähnlichkeit zur rein auf Teilbereiche der inneren Regulation gerichteten sogenannten „klinischen Homöopathie“. Niederpotenzen mit kurzer Wirkdauer in täglich mehrfachen Gaben als Tropflösungen sind hier üblich.




Wird fortgesetzt.

Vorwort

Es geht hier um die Darstellung miteinander verwobener, nicht trennbarer Vorgänge. Um ein inneres System von Zusammenhängen, Zusammenhänge in einem inneren System. Da wäre es unlogisch, einen Schreibstil zu wählen, der zwar leichter lesbar wäre, aber in sich geschlossene Zusammenhänge in kurze Einzelsätze/Einzelfakten zerlegt. Genau das was ausgedrückt werden soll, das untrennbar mit einander Verbundene sehen zu lernen, würde dann wieder in genau die andere Aussage verwandelt, sich jeden einzelnen Punkt kurz und knapp zu betrachten. Daran scheiterte es immer wieder, die Schriften Hahnemanns, vor allem sein Grundsatzwerk, das Organon der Heilkunst, aus der Verschachtelung in die knappe Einzelfaktensprache einer Nachrichtensendung umzusetzen.

Form und Inhalt sollten deckungsgleich sein. So schwierig wie für manchen das Folgen dieses Schreibstils erscheinen mag (es wird heute nicht mehr gelehrt), genau so schwierig ist es, diese Zusammenhänge körperlicher und psychischer Vorgänge (auch untrennbar) in der Praxis zu erfassen und umzusetzen. Das ist häufig der Grund, sich auf Einzelfakten zurückzuziehen, was letztlich dem Ganzen nicht mehr gerecht werden kann.

Der Schreibstil entspricht der Aussage. Wer sich darauf einlässt, kann vielleicht so besser den untrennbaren Zusammenhang (allen mit jedem in Organismus und Psyche) spüren.


Bei diesem Text hier, akute Krankheiten, ist der Stil deutlich weniger verschachtelt, weil weniger breite Zusammenhänge dargestellt werden.


  1. Klaus-Uwe Pagel, 01.2015



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