Montag, 6. April 2015

Therapievorgehen nach Hahnemann – kein homöopathisches Sekundenphänomen

Homöopathie nach Hahnemann – Therapeutisches Vorgehen/Verlauf




Was ist ein Homöopath? Ein Globuli-Diktator?

Nein. Es ist der, der das tut, was Hahnemann klar ausdrückte:
Organon § 1:

Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt 

und § 3

Sieht der Arzt deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication), ... und weiß er nach deutlichen Gründen das Heilende der Arzneien dem was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, daß Genesung erfolgen muß, anzupassen sowohl in Hinsicht der Angemessenheit der für den Fall nach ihrer Wirkungsart geeignetsten Arznei (Wahl des Heilmittels, Indicat) ...so versteht er zweckmäßig und gründlich zu handeln und ist ein ächter Heilkünstler.


Zunächst ist jeder Homöopath ein Heilkundler, der praktisch mit dem kranken Menschen „arbeitet“.
Er diagnostiziert, er wägt ab, ob denn überhaupt eine behandlungsnotwendige Erkrankung vorliegt. Vielleicht genügt es, dabei hilft die typische ausführliche „Gesprächsarbeit“ mit dem Patienten, dass diese selbst Erkenntnisse über die von ihm beklagten „Leiden“ bekommt. Vielleicht ergibt sich für den Patienten daraus bereits der Weg zur Änderung. Vielleicht sieht der Patient auch ein, dass das, was ihn gerade beschwert, jetzt so sein muss, aus allen Umständen heraus und nicht durch einen Wundertäter (den Heilkundler) zu ändern oder durch Wundermittel (Arzneien) aufzulösen ist.

Mit sich wieder einig zu werden, auch wenn Umstände belastend sind, und wieder zu beginnen, dass, was man selbst tun kann auch zu tun, ist in nicht seltenen Fällen (schreibe ich aus über 30 Jahren Heilkundeausübung) eine Lösung. Es mag sich dabei um ein gehöriges Maß an Psychotherapie handeln, basierend auf den Effekten der richtig gemachten Fallaufnahme mit ihren Ähnlichkeiten zur „personenzentrierten“ Gesprächstherapie. Aber auch das ist Heilkunde mit wirksamen Mitteln (nicht leeres Placebo), mit fließenden Übergängen zur Pädagogik (Lebensausbildung, -erziehung).

Bei der ganz das rat-/hilfesuchende Individuum betrachtenden Fallaufnahme ist darauf zu achten:


§ 150 Werden dem Arzte ein oder ein paar geringfügige Zufälle geklagt, welche seit Kurzem erst bemerkt worden, so hat er dieß für keine vollständige Krankheit anzusehen, welche ernstlicher, arzneilicher Hülfe bedürfte. Eine kleine Abänderung in der Diät und Lebensordnung reicht gewöhnlich hin, diese Unpäßlichkeit zu verwischen.

Lebens- und Ernährungsberatung ist eben auch natürlicher Inhalt einer ganzheitlichen Heilkundeausübung. Zur Abgrenzung: Der Lebens- und/oder Ernährungsberater, egal welcher Richtung oder Weltanschauung ist kein Heilkundler, kein Homöopath. Er ist nicht der, der durch sein umfangreiches biologische, psychologischen und heilkundliche Fachwissen einen Menschen, der als sich Krankfühlender zu ihm kommt, individuell „diagnostiziert. Ohne Diagnose keine Therapie, denn die Diagnose führt dazu, der Heilkundler sieht: „deutlich ein, was an Krankheiten, das ist, was an jedem einzelnen Krankheitsfalle insbesondere zu heilen ist (Krankheits-Erkenntniß, Indication)“

Doch der (nach dem Verständnis der Homöopathie) arbeitende Heilkundler ist immer auch Lebens- und Ernährungsberater für den Patienten. Selbst wenn er feststellt, dass keine Arzneien, keine Operationen, keine speziellen Psychotherapieverfahren in vorliegenden „Fall“ notwendig sind.

§ 151 Sind es aber ein paar heftige Beschwerden, über die der Kranke klagt, so findet der forschende Arzt gewöhnlich noch nebenbei mehrere, obschon kleinere Zufälle, welche ein vollständiges Bild von der Krankheit geben.
die dann über „pädagogische“ Hilfestellung hinausgehende Tätigkeit verlangt.


Hier macht Hahnemann wieder eine Unterscheidung zwischen der Behandlung von akuten Krankheiten


und chronischen Krankheiten, was nicht selten übersehen wird.

Für die Therapie, die Arzneiwahl bei akuten Krankheiten führt er in seinen §§ 152 und 153 des Organon aus:

§ 152 Je schlimmer die acute Krankheit ist, aus desto mehren, aus desto auffallendern Symptomen ist sie gewöhnlich zusammengesetzt, um desto gewisser läßt sich aber auch ein passendes Heilmittel für sie auffnden, wenn eine hinreichende Zahl, nach ihrer positiven Wirkung gekannter Arzneien, zur Auswahl vorhanden ist. Unter den Symptomenreihen vieler Arzneien, läßt sich ohne Schwierigkeit eine finden, aus deren einzelnen Krankheits-Elementen sich, dem Symptomen-Inbegriffe der natürlichen Krankheit gegenüber, ein sehr ähnliches Bild von heilender Kunstkrankheit zusammensetzen läßt, und diese Arznei ist das wünschenswerthe Heilmittel.

Denn das ist für die akuten Krankheiten eher leicht zu finden. Diese verlaufen ja oft epidemieartig unter vielen Individuen mit ähnlichen (allgemeinen, bei allen ähnlichen) Erscheinungen ab. Hier – nicht bei den chronischen (!) - ist es dann entscheidend, unter den möglichen Mitteln dasjenige auszuwählen, welches den besonderen Verlauf bei diesem Individuum kennzeichnet.

Das (Auswahl bei akuten Krankheiten!) meint er im § 153

Bei dieser Aufsuchung eines homöopathisch specifischen Heilmittels, ... sind die auffallendern,sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome … des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest in’s Auge zu fassen; denn vorzüglich diesenmüssen sehr ähnlichein der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passendste zur Heilung sein soll. Die allgemeinern und unbestimmtern: Eßlust-Mangel, Kopfweh, Mattigkeit, unruhiger Schlaf, Unbehaglichkeit u.s.w., verdienen in dieser Allgemeinheit und wenn sie nicht näher bezeichnet sind, wenig Aufmerksamkeit, da man so etwas Allgemeines fast bei jeder Krankheit und jeder Arznei sieht.

Wer z.B. einen fieberhaften Infekt hat, hat fast immer solche Symptome. Damit wäre eine akute Krankheit nicht individuell zu kennzeichnen und mit dem individuell passenden Mittel zu behandeln.
Hier findet sich auch die Unterscheidung zur „klinischen“, oft mit Arzneigemischen – Komplexmitteln – angewendeten „Homöopathie“. Da spielen oft die allgemeineren Symptome eine Rolle: So mischt man Arzneien als „Fiebermittel“ mit Arzneien als „Hustenmittel“ usw. Während die klassische Homöopathie genau unterscheidet, welche Besonderheit z.B. des Fiebers vorliegt mit welchen besonderen, individuellen Merkmalen.

Es erfordert Fachwissen, Erfahrung in der Heilkunde, um zu erkennen, was im vorliegenden Fall anders ist, als in anderen (mit einer Akutkrankheit gleichen Namens und Symptomatik). Man muss den typische, den gewöhnlichen Verlauf kennen.

Da es oft genug falsch verstanden wird: Hier noch einmal, der § 153 bezieht sich auf die Arzneiwahl bei AKUTEN Krankheiten.

Im § 154 nimmt er es noch einmal auf:

eine Krankheit von nicht zu langer Dauer wird demnach gewöhnlich durch die erste Gabe desselben ohne bedeutende Beschwerde aufgehoben und ausgelöscht.

Von der passend gewählten Arznei bei Akutkrankheiten sieht Hahnemann nur selten einen kleine „Erstverschlimmerung“ Arzneikrankheit.

§ 155
Denn beim Gebrauche dieser passendsten, homöopathischen Arznei sind bloß die, den Krankheits-Symptomen entsprechenden Arznei-Symptome des Heilmittels in Wirksamkeit, indem letztere die Stelle der erstern (schwächern) im Organism, d.i. im Gefühle des Lebensprincips einnehmen und letztere so durch Ueberstimmung vernichten; die oft sehr vielen übrigen Symptome der homöopathischen Arznei aber, welche in dem vorliegenden Krankheitsfalle keine Anwendung finden, schweigen dabei gänzlich.

Man beachte: Nur die Symptome (Arzneiprüfsymptome), die den Krankheitssymptomen entsprechen werden vom Organismus wahrgenommen. Da die Arznei so „verkleinert“ gegeben wurde, dass der Gesunde - der also nicht bereits die Krankheitssymptome hatte – darauf nicht reagiert. Eine „Arzneikrankheit“ wird im Regelfalle also nicht ausgelöst.

Es sei denn (§156),

Indessen giebt es selten ein, auch anscheinend passend gewähltes, homöopathisches Arzneimittel, welches, vorzüglich in zu wenig verkleinerter Gabe, nicht eine, wenigstens kleine, ungewohnte Beschwerde, ein kleines, neues Symptom während seiner Wirkungsdauer bei sehr reizbaren und feinfühlenden Kranken, zuwege bringen sollte, weil es fast unmöglich ist, daß Arznei und Krankheit in ihren Symptomen einander so genau decken sollten, wie zwei Triangel von gleichen Winkeln und gleichen Seilen.

Die Arznei wird in „zu starker Dosis“ gegeben, dann können bei dafür empfindlichen Personen Arzneisymptome auftreten.

Und so kann es sein (§157)

So gewiß es aber auch ist, daß ein homöopathisch gewähltes Heilmittel, seiner Angemessenheit und der Kleinheit der Gabe wegen, ohne Lautwerdung seiner übrigen, unhomöopathischen Symptome, … die ihm analoge, acute Krankheit ruhig aufhebt und vernichtet, so pflegt es doch (aber ebenfalls nur bei nicht gehörig verkleinerter Gabe) gleich nach der Einnahme - in der ersten, oder den ersten Stunden - eine Art kleiner Verschlimmerung zu bewirken (bei etwas zu großen Gaben aber eine mehre Stunden dauernde), welche so viel Aehnlichkeit mit der ursprünglicben Krankheit hat, daß sie dem Kranken eine Verschlimmerung seines eignen Uebels zu sein scheint. Sie ist aber in der That nichts anderes, als eine, das ursprüngliche Uebel etwas an Stärke übersteigende, höchst ähnliche Arzneikrankheit.

§158 … Diese kleine homöopathische Verschlimmerung, in den ersten Stunden - eine sehr gute Vorbedeutung, daß die acute Krankheit meist von der ersten Gabe beendigt sein wird


Nochmal: Es sind hier akute Krankheiten gemeint.

Wie ist es mit Erstverschlimmerungen bei chronischen Krankheiten? Da sollen sie NICHT sein (§161): - Fett – Unterstreichung Hervorhebung von mir-

Wenn ich die sogenannte homöopathische Verschlimmerung, oder vielmehr die, die Symptome der ursprünglichen Krankheit in etwas zu erhöhen scheinende Erstwirkung der homöopathischen Arznei, hier auf die erste oder auf die ersten Stunden setze, so ist dieß allerdings bei den mehr acuten, seit Kurzem entstandenen Uebeln der Fall; wo aber Arzneien von langer Wirkungsdauer ein altes oder sehr aItes Siechthum zu bekämpfen haben, da dürfen keine dergleichen, anscheinende Erhöhungen der ursprünglichen Krankheit, während des Laufes der Cur sich zeigen …;dergleichen Erhöhungen der ursprünglichen Symptome der chronischen Krankheit, können dann nur zu Ende solcher Curen zum Vorscheine kommen, wenn die Heilung fast oder gänzlich vollendet ist.

Bei den chronischen Krankheiten ist es notwendig, möglichst alle (viele) der Arzneisymptome mit den Krankheitssymptomen zur Deckung zu bringen. Nicht nur einige, wie im § 153. Je vollständiger das Arzneibild zum Krankheitsbild passt, um so wahrscheinlicher ist, dass eine Heilung erreicht werden könnte. Nur wenn, trotz guter Fallaufnahme nur wenige Symptome erhoben werden können und/oder wenn nur wenige davon in den bekannten Arzneiprüfbildern bei einer Arznei zu finden sind, muss ein Kompromiss gemacht werden.

Dann (§164) kann dennoch ein Erfolg erwartet werden:

Die geringe Zahl der, in der bestgewählten Arznei anzutreffenden, homöopathischen Symptome, thut der Heilung jedoch in dem Falle keinen Eintrag, wenn diese wenigen Arznei-Symptome größtentheils nur von ungemeinerdie Krankheit besonders auszeichnender Art (charakteristisch) waren; die Heilung erfolgt dann doch ohne sonderliche Beschwerde.

Aber wenn auch solche kaum unter den wenigen Symptomen zu finden sind, ist eine (vollständige) Heilung kaum zu erwarten.

Muss man sich mit einem Mittel zufrieden geben, was nur wenig passt, kann dennoch ein Therapieversuch begonnen werden. Vielleicht zeigen sich in dem Zusammenhang doch noch mehr brauchbare Symptome und eine neue Fallaufnahme mit neuer Auswertung bringt das besser passende Mittel zu Tage.

Wenn man zwischen zwei Mitteln, die scheinbar gleiche gut passen könnten auswählen muss, dann wird immer nur eines gewählt. Hat das im Laufe der Zeit sich ausgewirkt, sind einige der Symptome verschwunden, dann kann man nicht mehr auf das andere Mittel einfach so zurückgreifen, man muss den (verbliebenen ) Fall neu aufnehmen. Denn die Arzneigabe hat viele Veränderungen im Kranken bewirkt.

§ 169 … zwei Arzneien um den Vorzug ihrer Paßlichkeit streiten, deren eine mehr für den einen, die andere mehr für den andern Theil der Zeichen der Krankheit homöopathisch paßt, so läßt sich nicht anrathen, nach Gebrauch der vorzüglichern unter den beiden Arzneien, unbesehens die andre in Gebrauch zu ziehen 1),
1) Und noch weit weniger, beide zusammen einzugeben (m. s. §. 273. Anm.).
weil die sich als zweit-beste kundgegebne Arznei, bei indeß veränderten Umständen, nicht mehr für den Rest der dann noch übrig gebliebenen Symptome passen würde

Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum Hahnemann es ablehnt, mehrere homöopathische Arzneien gleichzeitig zu geben.

§ 273
In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzigeeinfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sei, nur einen einzelneneinfachen … wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.
   
Zum Einen eben kann die passende Arznei nur einen sein, die mit der größten Passgenauigkeit. Zum Anderen verändert eine Arznei die Befindlichkeit des Patienten auf ihre Weise und die andere auf deren Weise. Worauf soll nun der Patient reagieren? In welcher Weise? Wenn die eine Arznei wirkt, verändert sie den Patienten zum Einen so, dass er nicht zur anderen Arznei passen könnte. Zum Anderen können Arzneien untereinander Wirkungen haben, die nicht vorhersehbar sind, damit ist (aus der Kombination) ein anderes Arzneibild entstanden.

In der schulmedizinischen Pharmakologie kennt man das auch: Selbst wenn die Wirkung einer Substanz bekannt ist und die Wirkung einer anderen, so ist die Mischung niemals mit der Summe der Wirkungen einfach gleich zu setzen. Es ist eine neue Arznei entstanden, die erst ihren Wirknachweis erbringen muss.


Wie schnell sind Wirkungen zu erwarten? Bei den akuten, erst kürzlich entstandenen Krankheiten in Stunden, zumindest kurzer Zeit. Bei den chronischen Krankheiten kann es längere Zeit dauern.

§148 Wird, wie gesagt, die passend ausgewählte, homöopathische Arznei gehörig angewendet, so vergeht die zu überstimmende, acute, natürliche Krankheit, wenn sie kurz vorher entstanden war, unvermerkt, nicht selten in einigen Stunden, die etwas ältere, natürliche Krankheit aber (nach Anwendung noch einiger Gaben derselben, höher potenzirten Arznei, oder, nach sorgfältiger Wahl ...einer oder der andern, noch ähnlichern, homöopathischen Arznei) etwas später, 


§149 Die alten (und besonders die complicirten) Siechthume, erfordern zur Heilung verhältnismäßig mehr Zeit.

Und es kann im Laufe dieser Zeit durchaus sein, insbesondere bei Erkrankungen vom psorischen Typ,


dass man – nach neuer Fallaufnahme betreffend den bereits erreichten Therapiestand – ein neues Mittel benötigt.

§171 In den unvenerischen, folglich am gewöhnlichsten, aus Psora entstandenen, chronischen Krankheiten, bedarf man zur Heilung oft mehrer, nach einander anzuwendender, antipsorischer Heilmittel, doch so, daß jedes folgende dem Befunde der, nach vollendeter Wirkung des vorgängigen Mittels übrig gebliebenen Symptomen-Gruppe gemäß, homöopathisch gewählt werde.
   
Es dauert also bei chronischen Krankheiten. Dennoch kann bei langwierigen Leiden im Verhältnis die „Therapiezeit“ recht schnell sein. Bei Jahren an Krankheit genügen vielleicht nur Monate Therapie.

Das widerspricht nicht seinem Wunsche im § 2:

Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.

Doch ein von manchen behauptetes „homöopathisches Sekundenphänomen“ kann es nicht geben. Regelkreise brauchen Zeit, um das „normale“ Funktionieren wieder herzustellen. Schon weil, vor allem bei chronischen Krankheiten, sich auch veränderte Strukturen wieder rückbilden müssen. So z.B. Leberzellen Fetteinlagerungen abbauen müssen.

Vielmehr ist, wenn scheinbare „blitzartige“ Heilung behauptet wird, zu denken an §56:

Mit dieser palliativen (antipathischen, enantiopathischen) Methode, seit 17 Jahrhunderten, nach Galen's Lehre: contraria contrariis eingeführt, konnten die bisherigen Aerzte das Vertrauen des Kanken noch am gewissesten zu gewinnen hoffen, indem sie ihn mit fast augenblicklicher Besserung täuschten. …

Es erscheint so, alsob die Symptomenbildung einfach nur unterdrückt wird. Hahnemann warnt im
§58 da wird jeder aufmerksame Beobachter übereinstimmen, daß auf eine solche antipathische, kurze Erleichterung jederzeit und ohne Ausnahme Verschlimmerung erfolgt

Ein scheinbar umgehendes Verschwinden von Symptomen muss den Verdacht nahe legen, dass eben nicht homöopathisch behandelt wurde.

Die homöopathische Heilung der chronische Krankheiten ist ein Prozess, ein Verlauf, der auch vom Heilkundigen beobachtet und verfolgt werden muss. Schon um zu erkennen, ob das Mittel das richtige ist, in der richtigen Dosierung und Gabenhäufigkeit, sowie zu erkennen, wann ggf. ein Folgemittel gegeben werden muss.

Schon dieses Wesen der homöopathischen Arzneibehandlung der individuell verlaufenden Krankheiten lässt es nicht zu, die Wirkung homöopathischer Arzneien so zu prüfen, wie bei chemischen Pharmaka üblich: Mittels Gruppen von (nach statistischen Kriterien gewählten) Probanden von denen eine die Arznei bekommt, die andere eine wirkstofffreie „Leerarznei“ (Placebo).

Die Wahl der homöopathischen Arznei erfolgt individuell, nicht nach einem Symptom, dass alle haben sollten. Sie erfolgt nach individualisierender Untersuchung (Fallaufnahme) und bei scheinbar den gleichen „Hauptsymptomen“ mit unterschiedlichen Arzneien.

Will man prüfen, ob die Homöopathie wirkt, dann prüft man im Grunde nur, ob der Heilkundler in der Lage war, den Patienten richtig „zu erkennen“, den richtigen Heilweg (vielleicht nur Lebensumstellung nötig) zu finden und wenn nötig, die individuell passende Arznei auszuwählen. Selbstverständlich hat schon diese Art, den Patienten ernst zu nehmen und ihn als etwas eigenes zu betrachten für Patienten eine – gegenüber dem, was sie sonst erleben – eigene „heilende Wirkung“.

Doch alle Arzneiprüfungen zeigen, dass eine Reihe von Menschen Besserung spüren (schon wegen der Erwartungshaltung) ohne dass eine Arzneiwirkung da war. Wenn 80 % der Probanden mit Arznei Besserung spüren und 40 % auch ohne, wie vielen hat die Arznei tatsächlich geholfen? Man gönne es doch der Homöopathie, dass auch sie Placeboeffekte haben kann. Trotz und neben der Arbeitsleistung des Heilkundigen und der Wirkung der Homöopathika. So wie man das auch anderen Heilweisen erlaubt.




Wird fortgesetzt


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