Montag, 31. August 2015

Angst – krankmachende Folge der Erkenntnisfähigkeit - Einleitung

Angst – krankmachende Folge der Erkenntnisfähigkeit

Grundmodell der psychischen Beschwerden, der psychosomatischen Störungen und körperlicher Krankheiten und Leiden.

Einleitung

Mit dem Leben, eines jeden Organismus ob einzellige Bakterie, ob Pflanze ob Tier (Mensch), ist grundsätzlich verbunden, dass es sich erhalten will. Leben will leben und das ist sein Grundmerkmal.

Dazu ist jedes lebende System mit einem mehr oder minder guten Selbsterhaltungssystem ausgestattet (in der Homöopathie nach seinem Begründer S. Hahnemann „Lebenskraft“ benannt). Dazu gehört, dass es die grundsätzliche Notwendigkeit gibt, das Leben (als Prinzip) fortwähren zu lassen. Deswegen ist es unerlässlich, dass ein lebendiges System versuchen muss, sich fortzupflanzen, zu vermehren und so einem Stillstand, der Gegner des dynamischen Lebensmotors, zu entgehen.

In der Biologie gehört es zu den Eigenschaften des Lebens (des lebenden Organismus),

- dass es eine Abgrenzung gegen die Umgebung gibt. So wird der Organismus zum eindeutigen, individuellen ICH. So ist es überhaupt erst möglich, einen Organismus als solche Einheit zu identifizieren. Geht die Abgrenzung (Hülle) verloren, löst sich der Organismus auf und lebt nicht mehr als solcher. Es muss also die Selbsterhaltung dafür sorgen, dass diese Abgrenzung – auch gegenüber anderen Lebewesen – erhalten bleibt. Auch wenn von außen immer wieder „daran gekratzt“ wird oder von innen vieles „hinausdrängt“. Jedem Lebewesen ist durch seine Hülle (Abgrenzung) dieses ICH, SELBST, gegeben. Unabhängig davon, ob ein irgendwie geartetes intellektuelles (Selbst-)Bewusstsein bereits entwickelt wurde. Ich bin, weil ich bin und ich bin, weil ich bin (lebe), solange ich bin (lebe). Selbst wenn ich darüber nicht nachdenke, mich nicht in irgendein System (spekulierend denkend) einordne. Es ist nicht zu verwechseln mit dem bewertenden (Erkenntnisfähigkeit) SelbstWERTgefühl.

- dass, der Organismus für seinen Aufbau, seine Strukturen notwendiges stoffliches Material erhält. Welches zum Selbsterhalt, so auch der Hülle, immer wieder eingesetzt werden muss, um dynamiktypischen Verschleiß zu ersetzen, neues aufzubauen usw. Dazu kommt, dass die notwendigen Energieträger aufgenommen werden müssen, aus denen dann die Kräfte für chemische Vorgänge und physikalische Phänomene freigesetzt werden können.
Man nennt diese Vorgänge Stoffwechsel.

- dass sich ein Organismus fortpflanzen kann (Zellteilung oder wie auch immer) und so die „Lebensidee“ sich erhalten kann, auch über den Zerfall eines derzeit bestehenden lebendigen Organismus hinaus. Niedergeschrieben ist die Lebensidee in den Genen, die (auch fortentwickelt) weitergegeben werden.

Nur, wenn diese drei Elemente gegeben sind, spricht die Biologie von einem Lebewesen.

Der Tod gehört zur Lebensidee dazu. Dem Tod kann das Leben nur entgehen, wenn es sich vermehrt, in einem aus Vermehrung entstehenden Lebewesen (Tochterzellen bei Teilung, Kinder) neue Gestalt annimmt. Die Nachkommen stellen sicher, dass das Leben in dieser Linie fortbesteht. Leben als Grundprinzip, Leben als Idee.

Das ist schon uraltes Wissen (nachdem Lernen mit dem „Gehirnausbau“ evolutionsbedingt entwickelt wurde), auch wenn die heutigen wissenschaftlichen Kenntnisse fehlten. Scon in de Bibel ist zu lesen: Sei es bei der Aufforderung (galt schon im „Garten Eden“) des Fruchtbarseins und des Vermehrens. Sei es im 4. Gebot: Ehre Deine Eltern, als Aufforderung nicht zum Gehorchen gegenüber konkreten Personen (allein) sondern auch als Grundsatz, dass man das Leben der Vorfahren und das, was sie geschaffen und hinterlassen haben, annimmt und im Sinne des Lebenserhaltes fortsetzt und an neue Bedingungen anpasst. Eine Aufforderung an den „denkenden“ Menschen, sich der Regel des Lebens bewusst (Wissen) zu bleiben, „setzte fort, was war und bewahre so das Leben“. Auch wenn mit den „Denken“ die Möglichkeit geschaffen wurde, gegen automatische, instinktive (paradiesisch vorgegebene) Regeln zu verstoßen. Der Mensch ist in gewisser Weise frei geworden, hat Verantwortung übernommen („macht Euch die Erde untertan“) und tragt die Folgen seinen Handelns.

Im Paradies lief das Leben ab, mit Werden und Vergehen aber mit ständigem Weitergeben der Grundidee „Leben“ an aus Lebewesen entstehenden Lebewesen. Und die Voraussetzungen dazu mussten auch im Paradies gegeben sein: Abgrenzung, Stoffwechsel und Fortpflanzung. Folgt man der Schöpfungsgeschichte der Bibel, gab es da jedoch eines nicht: Die Lebewesen hatten keine Erkenntnisfähigkeit (Denken, Bewerten von Gut und Böse). Und sie hatten kein ewiges Leben. Ewiges Leben wäre im Sinne der Lebensidee (ohne Werden und Vergehen dabei) STILLSTAND.

Erst der „Sündenfall“ (Sünde setzt Bewertung von Tun voraus, also Erkenntnis) brachte die Erkenntnisfähigkeit, damit die Möglichkeit zu sündigen (ohne Erkenntnis von Schuld keine Sünde). Der Mensch aß vom Baum der Erkenntnis – vom Gegenspieler Gottes (Gott ist Leben, Schöpfung, dynamischen Werden), dem Teufel (Zerstörung der Lebensidee hin zum Stillstand) dazu bewegt. Der Mensch hat auf Propaganda, gelenkte Information gehört. Auch heute ist der Mensch so leicht zu beeinflussen in seinen Tun und seinem Selbstbild. Doch blieb der Baum des ewigen Lebens mit seinen Früchten unangetastet.

Ohne Erkenntnisfähigkeit, ohne Bewerten und daraus in die Zukunft spekulieren können, gibt es nur das aktuelle reale Leben im (extrem kurzen) Jetzt. Das ist jetzt schon wieder vorbei und ein neues hat begonnen. Prinzip des Leben, Dynamik. Auch eine Vergangenheit gibt es nicht in der Realität, im Jetzt. Den das Wort sagt es schon, es ist vergangen. Jedoch sind die Folgen dessen, was soeben war, oft noch im Jetzt zu tragen.

Der paradiesische Zustand ist dadurch gekennzeichnet: es gibt nur das Jetzt, alles andere existiert nicht für das Lebewesen. Und das immer jetzt geltende Lebensgebot: bleibe abgegrenzt, damit als Selbst erhalten. (Selbsterhaltungssysteme). Dazu nutze den Stoffwechsel und nimm alles, was gerade da ist dafür. Und sorge jederzeit wenn es möglich ist, dafür, dass aus Dir neues Leben entsteht, sich das Lebensprinzip, die Lebensidee so fortsetzt.

Reagiere so immer auf das, was gerade im Jetzt mit Dir, um Dich ist. Das Leben will sich so aus sich selbst erhalten, ohne „Bedenken und Erkenntnis“. Es läuft eben paradiesisch (nur nach den Regeln Gottes) ungestört ab.

Man kann sagen: „Unter Selbsterhaltung versteht man ein biologisches (Lehre vom Leben) Prinzip, das es Lebewesen aufgrund angeborener Verhaltensweisen ermöglicht, sich am Leben zu erhalten, das Leben zu erhalten. Im Jetzt.

Doch es zeigte sich, dass die Lebenserhaltungsfähigkeit sich steigern ließ, wenn auch Vorgänge der Vergangenheit (Regel von Aktio und Reaktio) für Verhaltensweisen genutzt werden konnten. Mit der fortschreitenden (fortschreiten ist ein Prinzip des Lebens) Entwicklung eines „Denkorgans“ kam das Lernen aus Vergangenem hinzu. Dazu musste auch „gespeichert“ werden können, was wie und warum geschah. Ohne Gedächtnis (Vergangenheit) kein Lernen (Kennen und wieder Erkennen) für das Jetzt möglich. Und es musste die Möglichkeit entstehen, Regeln, Wiederholbares, aus Abläufen der Vergangenheit zu erkennen, und auf die Handlung jetzt zu übertragen.

Mit dieser Fähigkeit, Regeln zu sehen und diese zu ERKENNEN (Wissen) und der Erkenntnis (Erinnerung daran) entsteht dass Wissen, dass dem Jetzt ein Morgen folgen wird (Zukunft) welches wieder erfordern WIRD, sich an dann bestehende Bedingungen anzupassen, um irgendwie weiter leben zu können. Aus dem Leben wird wieder Leben, das ist nun ERKANNT worden. Und es wird wieder Mühe geben - Anforderungen ans Selbsterhaltungssystem -, sich dann zu behaupten, zu überleben.

Das Wissen aus der Vergangenheit macht es mit der Schaffung der Verknüpfungsmöglichkeit der Erfahrungen, Erlebnisse zu einem vorausschauenden Denken möglich, dafür Sorge zu tragen, dass auch morgen vielleicht alle belastenden, Selbsterhalt gefährdenden Einflüsse und Bedingungen vermieden werden können. Das Leben fordert nun entsprechenden Einsatz auch für Morgen. „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen“. Und diese Erkenntnisse brachten, dieses Wissen brachte mehr: Das Bewusstsein (wissen), dass es den Tod für das Einzelindividuum zwingend geben wird. Denn das hat man in der Vergangenheit immer wieder beobachtet: Jeder Organismus ist einmal gestorben, vor allem, wenn die Bedingungen drum herum die Erhaltung der Lebensvoraussetzungen: Abgrenzung, Stoffwechsel als Grundbedingung der Fortpflanzung, schlecht wurden, starb er recht bald.

Störungen dieser Lebensvoraussetzungen hat das (paradiesische, automatische) Selbsterhaltungssystem zu korrigieren versucht, benötigte dafür aber entsprechende Informationen aus dem inneren: Gestörte Abläufe ließen Stoffe entstehen, die diese Störung zeigten. Aktivierten, nach automatischen Gegenmaßnahmen oder/und Kompensationen zu suchen. Aus der Palette der (vorgegebenen, Gene) Reaktionsmöglichkeiten.

Mit der sich entwickelnden Erkenntnisfähigkeit ergab sich, dass solche Informationen verknüpft wurden mit dem prospektiven Vermuten, dass daraus letztlich der Tod folgen könnte. So wurden - paradiesisch zunächst neutrale - Signale (Empfindungen) wie Hunger, Schmerz, Verlassenheit zu Leiden (Pathos, pathologisch) machenden Empfindungen.

Es ist die Fähigkeit zum Denken, zum Speichern von Erfahrungen aus dem Gestern und zum Schlussfolgern auf das Morgen, unter der Fähigkeit, zu bewerten, dass Leben gut und Tod schlecht – auf jeden Fall zu vermeiden – ist, zum „Bewusstsein“ der Sterblichkeit geworden. In der Vergangenheit galten Regeln. Es gab immer wieder vorher Einflüsse, die das Leben bedrohen konnten. Daraus ergab sich für das Jetzt, dass solche Einflüsse, Bedingungen „alarmierend“ wirkten, besondere Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft forderten. So der Löwe, der mir gegenüber tritt, oder das Gewitter, dessen Blitz mich treffen kann. Eine solche reale (nicht für die Zukunft vermutete) Situation erzeugt die Aktivierung (Stress), den man Furcht nennt. Und die helfen soll, in dieser Situation (mit den Kenntnissen aus der Vergangenheit, den entwickelten Fähigkeiten) die Situation lebend zu überstehen. Es ist dann (hoffentlich) ein Handlungsablauf vorgesehen (erlernt, Instinkt), der z.B. über Angriff oder Flucht eine Überleben ermöglicht. Weglaufen vor dem Löwen (oder ihn mit anderen zusammen erlegen), Schutz suchen vor dem Blitz.

Die Furcht soll vorhandene Handlungsmöglichkeiten, Lösungen für das akut bedrohende „Problem“ abrufbar machen. Und sie sorgt dafür, dass gelernt wird, Situationen, in denen solche Bedrohungen auftreten können – nebst dem Erfolg oder Misserfolg der Handlung – frühzeitig zu erkennen und vielleicht zu vermeiden.

Das Erkennen, dass es einen Winter geben wird und dann Nahrung knapp werden kann, hat, schon instinktiv, dazu geführt, dass Lebewesen, wenn sie den kommenden Winter erkennen, Vorräte anlegen und so vermeiden, das bedrohliche, pathische Empfinden des Hungers (vor dem man sich fürchtet, weil er „Todesgefahr“ anzeigt) gar nicht erst erfahren zu müssen.

Furcht ist hilfreich. Man kann ja etwas tun.

Doch eine Erkenntnis hat sich aus der Vergangenheit ergeben: Nichts ist wirklich sicher voraussehbar, jede Regel kann durch sich (auch plötzlich) ändernde Bedingungen aufgehoben werden. Egal wie wir planen, egal was wir vorbereiten: „Es kann immer anders kommen als man denkt“.

Das ist eine Regel des Lebens: Entwicklung, Änderung, unvorhersehbares Neues (die unberechenbare Allmacht Gottes). Und dann? Kann ich dann Lösungen (neu) finden? Kann ich darauf vertrauen, dass Bewährtes, meine Fähigkeiten, noch ausreichen? Hier setzt das Selbstbewusstsein ein: Wissen um die Fähigkeiten des Ich, sich selbst zu erhalten. Und das Selbstwertgefühl (Selbstbewertung!) ein mit den Fragen: Bin ich in der Lage, auf diese meine Fähigkeiten zurück zu greifen? Werde ich leistungsfähig genug sein, den Neuen zu trotzen, zu überleben?

Dann kann dazu kommen, wenn man daran zweifelt, sich als weniger „selbsterhaltungsfähig“, als andere zu fühlen (geringer wertig, unterlegen gegen die Einflüsse der Umwelt), dass man besonders intensiv daran denkt (dahin plant), auf das Morgen vorbereitet zu sein. Sich dann Situationen vorstellt, in denen Bedrohungen bestehen könnten; sich Situationen ausdenkt, in denen man vielleicht reagieren müsste – und „befürchtet“ nicht regieren zu können.

Aus der realen Furcht vor dem tatsächlich lokal vorhandenem Löwen kann so die irreale ANGST vor Löwen überhaupt kommen, wenn die (selbstbewertende) Erwartung besteht, man könnte in so einer Situation nichts tun, dieser ausgeliefert zu sein, ohne Überlebensaussicht.

Die Erfahrung der Vergangenheit, das man immer mit seinen Fähigkeiten eine Lösung gefunden hat, kann Zuversicht geben, dass das auch zukünftig so sein wird (Urvertrauen), doch der Zweifel an diesen Fähigkeiten (Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl) macht ANGST.

Urvertrauen (das Leben ist so eingerichtet, dass ich überleben kann) gegen Angst (ich kann dem Leben nicht gewachsen sein). Urvertrauen, dass, auch wenn ich unausweichlich sterbe, das Leben aber nicht zu Ende ist, gegen die Angst, das mit meinem Sterben das Leben (insgesamt) zu Ende sein muss.

Wenn man – der Organismus bereitet sich auf Handeln vor – in einer Furchtsituation (mit Vertrauen darauf, diese überstehen zu können) im Grund nicht hilflos ist, sich nicht so empfindet, ist das in der Angstsituation anders. Man hat sozusagen Furcht ohne Grund. Man kann deswegen nicht handeln. Alles, was der Organismus vorbereitend aufs Handeln macht, was vegetativ geschieht (Stress), ist völlig unsinnig.

So wird die Angst (psychisch wie körperlich) zum Faktor, der die innere Regulation, die Selbsterhaltung, unsinnig macht. Alles ist aktuell falsch, denn das, worauf sich der Organismus einstellt ist nicht da. „Erdacht“. Existiert nur im Kopf, nicht im realen Jetzt.

Wird fortgesetzt




Copyright K.-U.Pagel 08.2015

Mittwoch, 19. August 2015

Demnächst hier: Thema Angst und Krankheit

Vorankündigung

Als nächste Textreihe ist das Thema "Angst" vorgesehen, abgeleitet auch aus der Selbstregulationskraft/Selbsterhaltungskraft, die Hahnemann in seiner Lehre herausgearbeitet hat (siehe frühere Texte hier). Als etwas, was mit dem Leben verbunden ist und erst durch "Erkenntnisfähigkeit" seine krankmachenden Folgen entwickeln kann.

Es ist auch ein Einstieg in die Psychosomatik und greift die verschiedenen Formen der "Angstbewältigung" auf, Verdrängungen, Religionen, Kulturen usw.

Das Thema ist vielschichtig und fasst viele Bereiche zusammen: Philosophie, alte Geheimwissenschaften, Psychologie, Biologie und Medizin sowie Religionen.

So kann es kommen, dass manches zunächst schwer verständlich erscheint - man kann nicht überall das nötige Vorwissen haben, vielleicht den Denkansatz nicht sofort verstehen und nachvollziehen kann. Vielleicht muss man sich erst von Kapitel zu Kapitel arbeiten um manches dann "plötzlich" doch zu erkennen.

Es kann sein, dass von manchem, wie es geschrieben wird, eine Resonanz im Leser erzeugt wird: Vorurteile und Ablehnung aktivieren, die schon da sind, das Weltbild scheinbar ankratzen aber auch im Kopf viele Beispiele erscheinen lassen, in denen man das Gelesene wiederzufinden meint.

Es lohnt, zu hinterfragen, warum das Gelesene irgendetwas im Leser angesprochen hat, warum er mit Emotionen in positive oder negative Resonanz tritt. Denn: Die Angst steckt in jedem und ist mehr oder minder gut unterdrückt oder ins Leben (positiv) eingebaut.