Mittwoch, 5. Juli 2017

Impfen und Homöopathie - passt

Impfen und Homöopathie


Ein Bereich der Krankheiten wird nicht immer hinreichend beachtet, wenn man die Lehren von S. Hahnemann in seinem „Grundwerk zur Homöopathie“, das Organon der Heilkunst sieht: Die festständigen Krankheiten.

Diese sind es, anhand derer man erkennen kann, wie sehr im Grunde die Impfungen für bestimmte, immer in gleicher Symptomatik bei fast jedem und das mit einer epidemischen Ausbreitung auftretenden Krankheiten, in der Homöopathie als „segensreich“ anzusehen sind.

Da sind die Paragrafen 46 bis 56, 73 und 100 des Organon, 6. Ausgabe die Erhellenden.

Das sonst so wichtige Prinzip, dass sich Krankheiten so individuell verschieden zeigen können, dass nicht die Krankheit (mit dem Diagnosenamen) betrachtet werden soll, sondern die individuell auftretende Gesamtheit der Symptome, gilt NICHT für eine kleine Gruppe von (Infektions-) Krankheiten. Diese traten und treten immer wieder mit den gleichen Symptomen bei nahezu jedem Betroffenen (kaum einer bleibt verschont) auf und sie waren für viele Erkrankte tödlich oder mit Dauerfolgen behaftet. Weil sie immer in der gleichen Symptomatik auftreten, nennt Hahnemann sie die „festständigen Krankheiten“ und hält es in deren Falle für gerechtfertigt, gar nötig, ihnen feste Namen zu geben.

Was gehört dazu? § 73:

Da entstehen Fieber … jedesmal von eigner Natur, und weil die Krankheitsfälle gleichen Ursprungs sind, so versetzen sie auch stets die daran Erkrankten in einen gleichartigen Krankheits-Proceß, welcher jedoch, sich selbst überlassen, in einem mäßigen Zeitraume, zu Tod oder Genesung sich entscheidet. Kriegsnoth, Ueberschwemmungen und Hungersnoth sind ihre nicht seltenen Veranlassungen und Erzeugerinnen - theils sind es auf gleiche Art wiederkehrende, (daher unter einem hergebrachten Namen bekannte) eigenartige, acute Miasmen, die entweder den Menschen nur einmal im Leben befallen, wie die Menschenpocken, die Masern, der Keichhusten, das ehemalige glatte, hellrothe Scharlach-Fieber des Sydenham, die Mumps u.s.w., oder die oft auf ziemlich ähnliche Weise wiederkehrende, levantische Pest, das gelbe Fieber der Wüstenländer, die ostindische Cholera u.s.w.“


Wir finden hier die heute als Kinderkrankheiten „verharmlosten“ Infektionskrankheiten Masern, Keuchhusten, Mumps, und ein Form des Scharlach. Zu Zeiten Hahnemann's waren Masern gefürchtete „Säuglings- und Kindermörder“. Unter dem Sydenham-Scharlach Fieber ist eine mögliche Folge dieser Streptokokkeninfektion (ß-hämolysierende Streptokokken Gruppe A) zu verstehen. Es ist das die Autoimmunreaktion des „Rheumatischen Fiebers“.

Zitat dazu: „Das Risiko besteht zu 0,1 bis drei Prozent. In der Vergangenheit kam es häufiger zu der Folgeerkrankung. Jedoch heute betrifft sie Menschen dank guter medizinischer Versorgung mit Antibiotika nur wenige. Rheumatisches Fieber bei Scharlach entwickeln fast ausnahmslos Menschen unter 30 Jahren. Die Mehrzahl der Betroffenen liegt im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren.“ aus: https://www.scharlach-info.de/rheumatisches-fieber.html

Eine Komplikation ist: „Die Chorea minor ist eine mögliche Spätmanifestation im Rahmen des rheumatischen Fiebers. Sie tritt bei 10 - 15 % der betroffenen Kinder Wochen bis Monate nach der Infektion auf.“ Diese Sydenham – Chorea war das, was dieses besondere „Scharlachfieber“, das in rheumatisches Fieber überging (diese Autoimmunreaktion war zu Hahnemann's Zeiten nicht als solche bekannt!) in seinem Verlauf von den „harmloseren“ Scharlachfällen unterschied.

Hahnemann geht – auch wenn Bakterien und Viren als Krankheitserreger nicht bekannt waren, davon aus, dass solche festständige Krankheiten ausgehen von

§ 100
... wenn man die Epidemien von sich gleich bleibendem Ansteckungszunder, die Menschenpocken, die Masern u.s.w., ausnimmt“

gleichem (gleichbleibendem) Antsteckungszunder ausgehen. Sie entstehen nicht aufgrund bestehender individuelle Krankheitsneigungen, die auch mal eines akuten äußeren Auslösers zum erkennbar werden brauchen, sondern aufgrund bestehender eigener Krankmacher aus der Natur. Keine Folge von genetischen Besonderheiten, Stoffwechselstörungen, ungesunder Lebensweise, sondern Folge von der Übertragung (von Mensch zu Mensch) besonders „kräftiger“ Krankheitserreger. Die Homöopathie nach Hahnemann sieht demnach in bestimmten (festständigen) Krankheiten tatsächlich Infektionen als Ursache, (§73) „die dann gewöhnlich, wenn sie gedrängte Massen von Menschen überziehen, ansteckend (contagiös) zu werden pflegen.“

Die Homöopathie würde niemals das Bestehen von Infektionen abstreiten.

Hahnemann war aufgefallen (und er nimmt Beispiel aus der damaligen medizinischen Literatur hinzu im § 46), dass es Krankheiten zu geben scheint (in der Natur), die andere Krankheiten zur gleichen Zeit nicht zulassen bzw. bestehende andere Krankheiten zum Verschwinden bringen, wenn der Betreffende daran erkrankt war:

Es würden sich sehr viele Beispiele von Krankheiten anführen lassen, die im Laufe der Natur durch Krankheiten von ähnlichen Symptomen homöopathisch geheilt wurden, wenn wir uns nicht einzig an jene wenigen, sich stets gleichbleibenden, aus einem feststehenden Miasm entspringenden und daher eines bestimmten Namens werthen Krankheiten halten müßten, um von etwas Bestimmtem und Unzweifelhaftem reden zu können.
Unter ihnen ragt die, wegen der großen Zahl ihrer heftigen Symptome so berüchtigte Menschenpockenkrankheit hervor, welche schon zahlreiche Uebel mit ähnlichen Symptomen aufgehoben und geheilt hat.

Aber: §50

Die große Natur selbst, hat zu homöopathischen Heilwerkzeugen, wie wir sehen, fast nur die wenigen miasmatischen, festständigen Krankheiten als Hülfe, die Krätze, die Masern und die Menschenpocken,     Krankheitspotenzen, die theils als Heilmittel lebensgefährlicher und schrecklicher, als das damit zu heilende Uebel sind, theils (wie die Krätze) nach vollführter Heilung ähnlicher Krankheiten, selbst Heilung bedürfen, um hinwiederum vertilgt zu werden; beides Umstände, die ihre Anwendung als homöopathische Mittel schwierig, unsicher und gefährlich machen....Und wie wenig Krankheits-Zustände giebt es unter den Menschen, die an Pocken, Masern und Krätze, ihr ähnliches, (homöopathisches) Heilmittel fanden! Im Laufe der Natur können deßhalb auch nur wenige Uebel sich mit diesen bedenklichen und mißlichen, homöopathischen Mitteln heilen und der Erfolg zeigt sich nur mit Gefahr und großer Beschwerde, schon deßhalb, weil die Gaben dieser Krankheitspotenzen sich nicht, wie wir es doch mit Arzneigaben können, nach den Umständen selbst verkleinern lassen;

Hier kommt zum Ausdruck, welchen Schrecken z.B. Pocken und auch Masern (!) damals verbreiteten. Selbst, wenn die Beobachtung zu zeigen schien, dass man mittels denen andere Krankheiten heilen könne, so scheiden diese als Heilmittel wegen der Gefährlichkeit aus. Und es gibt kaum eine Arznei, die in der Lage wäre, eine hinreichend ähnliche Krankheit zu erzeugen, wie es diese gefährlichen festständigen Krankheiten tun – außer diese selbst.

Doch da gab es schon damals etwas Besonderes, die Idee der „Isopathie“ (stammend aus den Erfahrungen mit der ersten Impfung?), dasselbe mit dem selben behandeln. Dazu schrieb Hahnemann im § 56:

Denen, welche zuerst die sogenannte Isopathie zur Sprache brachten, schwebte vermuthtlich die Wohlthat vor Augen, welche die Menschheit durch Anwendung der Kuhpocken-Einimpfung erfuhr, daß dadurch der Eingeimpfte von aller künftigen Menschenpocken-Ansteckung frei erhalten, und gleichsam schon im voraus von letzterer geheilt ward. Aber beide, die Kuhpocken wie die Menschenpocke, sind nur sehr ähnliche, auf keine Weise ganz dieselbe Krankheit; sie sind in vieler Hinsicht von einander abweichend, namentlich auch durch den schnellern Verlauf und die Gelindigkeit der Kuhpocken, vorzüglich aber dadurch, daß diese nie durch ihre Nähe den Menschen anstecken,...
Hier lesen wir etwas, was dem Prinzip der Impfung entspricht und im Grunde der Idee entstammt, mit ähnlichen, aber milderen Infektionskrankheiten die gefährlichen wie Pocken und Masern schon prophylaktisch zu behandeln. Hahnemann nennt das eine Wohltat, was die (Kuh-)Pockenimpfung damals bereits erreicht hat:

.so durch die allgemeine Verbreitung ihrer Einimpfung allen Epidemien jener tödlichen, fürchterlichen Menschenpocken dergestalt ein Ende gemacht haben, daß die jetzige Generation gar keine anschauliche Vorstellung von jener ehemaligen scheußlichen Menschenpocken-Pest mehr hat.
Wichtig dabei: Die Kuhpocken sind nicht gleich den Menschenpocken (Isopathie) sie sind nur ähnlich (Homöopathie). Denn wären sie tatsächlich gleich, dann wären sie schädlich:

Aber mit einem menschlichen Krankheitsstoffe (z.B. einem Psorikum von Menschen-Krätze genomnen, gleiche menschliche Krankheit, Menschen-Krätze oder davon entstandene Uebel) heilen wollen - das sei fern! Es erfolgt nichts davon als Unheil und Verschlimmerung der Krankheit!
Der (Krankheits-)Stoff, aus dem die Arznei gemacht wird, muss ähnlich sein, z.B. veränderte, nicht ursprüngliche Viren, die von sich aus allenfalls mildere Krankheitsbilder ergeben. Das ist das Prinzip der Impfstoffe auch heute.

Hahnemann hat sich deren Entwicklung schon damals gewünscht:

So werden allerdings auch ferner einige, den Thieren eigne Krankheiten uns Arznei- und Heil-Potenzen für sehr ähnliche, wichtige Menschen-Krankheiten darreichen, und demnach unsern homöopathischen Arznei-Vorrath glücklich ergänzen

Kann man bei der Betrachtung des Organon tatsächlich behaupten, dass die Homöopathie Impfungen ablehnen würde? Gar als krankmachend ansehen könnte? Würde Hahnemann heute z.B. gegen Masernimpfungen Sturm laufen? Er wäre glücklich gewesen, wenn es zu seiner Zeit so etwas wie die Kuhpockenimpfung auch gegen Masern gegeben hätte.


Copyright K.-U.Pagel 07 2017
















1 Kommentar:

  1. Man sollte mal im Organon die Passage zu den "Festständigen Krankheiten" lesen, auch wenn die Sprache schwierig ist und auch schwierig ist, den Gedankengängen in einer Zeit, in der man von Infektionserregern nichts wusste, zu folgen. Hahnemann betrachtet es quasi als einen "Homöopathie" der Natur, wenn schwere Krankheiten (die durch Ansteckung mit festem Anstechkungstoff erzeugt werden) durch andere Krankheiten "geheilt", verhindert werden können. Im Grunde steckt da schon die Impfidee drin.

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